BGH 16. Februar 2000
IX ZR 50/98
BGB § 134; RBerG Art. 1 § 1; BGB § 675

---

DNotIDeutsches Notarinstitut
Dokumentnummer: 9zr5098
letzte Aktualisierung: 24.März 2000
9zr5098
BGH
IX ZR 50/98
17.02.2000
BGB § 134; RBerG Art. 1 § 1; BGB § 675
; BGB §§ 812, 817 Satz 2;

Ein Steuerberater, der unerlaubt eine fremde Rechtsangelegenheit geschäftsmäßig besorgt (hier: Geltendmachung von Rückübertragungsansprüchen nach dem Vermögensgesetz und Veräußerung von
Grundstücken), hat keinen Anspruch auf Vergütung aus dem nichtigen Geschäftsbesorgungsvertrag (§ 134 BGB mit Art. 1 § 1 RBerG).
Ist der Geschäftsbesorgungsvertrag eines Steuerberaters wegen Verstoßes
gegen ein gesetzliches Verbot nach § 134 BGB unwirksam, so kann diesem
eine Vergütung aus ungerechtfertigter Bereicherung (§§ 812 ff BGB) zustehen, wenn ihm nicht bewußt war, daß er gegen ein gesetzliches Verbot verstieß.
Tatbestand:
Die Kläger zu 1 und zu 3, beide Steuerberater, gehören mit dem Kläger
zu 2, einem Rechtsanwalt und Steuerberater, einer bürgerlich-rechtlichen Sozietät an. Die Kläger verlangen vom Beklagten Zahlung von "Beratungskosten
der Sozietät" in Höhe von 124.200 DM, die dem Mandanten Dr. I. (künftig auch:
Auftraggeber oder Mandant) anläßlich der Durchsetzung von Rückübertragungsansprüchen nach dem Vermögensgesetz und des Verkaufs von zwei


-2Grundstücken entstanden sein sollen und die der Beklagte übernommen haben
soll.
Ab 1991 erreichte der Kläger zu 1, der damals nur mit dem Kläger zu 2 in
einer Sozietät verbunden war, im Auftrag des Mandanten die Rückgabe von
zwei Grundstücken nach dem Vermögensgesetz und deren Veräußerung, wobei nach dem Willen des Auftraggebers die Grundstückskäufer dessen Honorarschuld übernehmen sollten. 1994 bekundete die E. GmbH (fortan: E. GmbH)
ihr Interesse an den Grundstücken. Dieser Gesellschaft schrieb der Kläger zu 1
1994 folgendes:
"Wegen Übernahme der Beratungskosten schlage ich folgende Vereinbarung vor:
Im Zusammenhang mit den Kaufverträgen über die Grundstücke ... übernehmen die Käufer die Beratungskosten der Sozietät ..., die dem Eigentümer ... für die Rückübertragung der Grundstücke und die Führung
der Verkaufsverhandlungen entstanden sind.
Es handelt sich um einen Betrag in Höhe von
zuzüglich 15 % Mehrwertsteuer
Insgesamt:
DM 108.000
DM 16.200
DM 124.200.
Der Betrag ist je hälftig bei Fälligkeit der Kaufpreise der oben genannten
Grundstücke zu bezahlen. Die Kostenübernahme wird ausdrücklich anerkannt. Ein Widerruf ist ausgeschlossen.
Sofern Sie mit der Vereinbarung einverstanden sind, darf ich Sie bitten,
den Text auf einen Briefbogen der Käufer zu übertragen, rechtsverbindlich zu unterschreiben und mir vor dem Notariatstermin zu übergeben.
Gleichzeitig bestätige ich Ihnen, daß der Gesamtkaufpreis für die beiden
Grundstücke DM 2.800.000 beträgt. Die Aufteilung dieses Betrages auf
die beiden Grundstücke überlasse ich den Käufern."
Mit notariellem Vertrag vom 13. Dezember 1994 schenkte der Mandant,
vertreten durch einen Mitarbeiter der Sozietät, seinen Kindern, vertreten durch
den Kläger zu 1, die Ansprüche auf Rückübertragung eines Grundstücks. Sodann veräußerten die Kinder des Mandanten, vertreten durch den Kläger zu 1,
an demselben Tage dieses Grundstück u. a. an den Beklagten für
1.250.000 DM. Weiterhin verkaufte der Auftraggeber, vertreten durch den Kläger zu 1, an demselben Tage das andere Grundstück für 1.550.000 DM; bezüglich dieses Grundstücks wollte der Beklagte als Baubetreuer tätig werden. Diese Kaufverträge wurden durchgeführt.
Anläßlich dieser Veräußerungen unterzeichnete der Beklagte ebenfalls
am 13. Dezember 1994 folgenden Nachtrag zum Schreiben des Klägers zu 1
an die E. GmbH:
"Die Rechnungen werden von der Steuerkanzlei ... gesondert in Rechnung gestellt. Rechnungsadresse ist die der Käufer, die sich aus den Notarurkunden ergibt.
Einverstanden 13.12.1994
Die Verpflichtung gilt auch für das Grundstück ..., welches ... (der Beklagte) nicht erwirbt, sondern als Baubetreuer tätig ist.
13.12.94."
Der Kläger zu 3 trat später in die Sozietät ein.
Die Klage auf Zahlung von 124.200 DM nebst Zinsen ist in den Vorinstanzen abgewiesen worden. Mit ihrer Revision verfolgen die Kläger den Klageanspruch weiter.
Entscheidungsgründe
Die Revisionen der Kläger zu 2 und zu 3 ist erfolglos. Die Revision des
Klägers zu 1 führt insoweit zur Aufhebung des Berufungsurteils und zur Zurückverweisung der Sache, als zu seinem Nachteil erkannt worden ist.
I.
Das
Berufungsgericht
hat
die
Erklärungen
des
Beklagten
vom
13. Dezember 1994 rechtsfehlerfrei dahin ausgelegt, daß sie keine selbständige, von einem Grundgeschäft gelöste Verpflichtung (§§ 780, 781 BGB) enthielten (vgl. dazu BGH, Urt. v. 18. Mai 1995 - VII ZR 11/94, NJW-RR 1995, 1391 f)
und auch kein bestätigendes (deklaratorisches) Schuldanerkenntnis seien, das
einen Streit oder eine Ungewißheit der Parteien über das Bestehen einer
Schuld beilegen solle (vgl. BGHZ 66, 250, 255; BGH, Urt. v. 1. Dezember 1994
1999, 2119, 2120).
II.
Nach unbeanstandeter tatrichterlicher Auslegung ist eine Schuldübernahme (§ 414 BGB) zustande gekommen mit dem Inhalt, daß der Beklagte mit
seinen Erklärungen vom 13. Dezember 1994 im Anschluß an das Schreiben der
Kläger zu 1 und zu 2 an die E. GmbH vom 9. Dezember 1994 die darin erwähnten "Beratungskosten" der Sozietät dieser Kläger von pauschal 108.000 DM
zuzüglich Mehrwertsteuer von 16.200 DM, "die dem Eigentümer ... für die
Rückübertragung der Grundstücke und die Führung der Verkaufsverhandlungen entstanden sind", anstelle dieses Honorarschuldners übernommen hat. Das
Berufungsgericht hat für den Fall, daß diese Vereinbarung als Nebenabrede der
Grundstückskaufverträge hätte notariell beurkundet werden müssen (§ 313
Satz 1 BGB), zu Recht angenommen, daß der Formmangel gemäß § 313
Satz 2 BGB geheilt worden ist.
Nach § 417 Abs. 1 BGB kann der Übernehmer dem Gläubiger grundsätzlich alle Einwendungen entgegenhalten, welche sich aus dem Rechtsverhältnis
zwischen dem Gläubiger und dem früheren Schuldner ergeben. Mit Rücksicht
darauf hat das Berufungsgericht angenommen, daß die Schuldübernahme ins
Leere gegangen sei, weil die übernommene Verbindlichkeit nicht bestehe.
Dazu hat das Berufungsgericht ausgeführt: Gegenstand des Geschäftsbesorgungsvertrages mit dem Mandanten seien die Geltendmachung der Ansprüche auf Rückübertragung der beiden Grundstücke nach dem Vermögensgesetz und deren Veräußerung gewesen. Damit habe der Mandant nicht die
Sozietät der Kläger, sondern nur den Kläger zu 1, seinen langjährigen Steuerberater, beauftragt, der als einziges Sozietätsmitglied diese Geschäfte besorgt
habe. Soweit dieser Restitutionsansprüche habe geltend machen sollen, verstoße der Geschäftsbesorgungsvertrag gegen Art. 1 § 1 des Rechtsberatungsgesetzes (RBerG) und sei deswegen nichtig (§ 134 BGB). Insoweit sei die Tätigkeit des Klägers zu 1 nach dem Klagevortrag auf die Besorgung einer fremden Rechtsangelegenheit gerichtet gewesen. Die Teilnichtigkeit des Vertrages
habe die Unwirksamkeit der Abrede über ein Pauschalhonorar für die Gesamttätigkeit des Klägers zur Folge; es sei auch nicht abgrenzbar, welcher Anteil der
Gesamtvergütung auf die unerlaubte Rechtsbesorgung entfalle und inwieweit
sie die erlaubte Geschäftsbesorgung der Grundstücksverkäufe betreffe.
1. Diese Ausführungen halten den Rügen der Revision insoweit stand,
als diese geltend macht, der Mandant habe der damals bestehenden Sozietät
der Kläger zu 1 und zu 2 ein Gesamtmandat erteilt, aus dem auch der - nach
der Schuldübernahme des Beklagten in diese Sozietät eingetretene - Kläger zu
3 berechtigt und verpflichtet worden sei.
Nach ständiger Rechtsprechung, auf die die Revision Bezug nimmt, ist
ein Mandat, das ein Mitglied einer Rechtsanwaltssozietät (§§ 705 ff BGB) annimmt, in der Regel dahin auszulegen, daß der Anwaltsvertrag auch mit den
übrigen verbundenen Rechtsanwälten geschlossen wird, so daß alle Sozietätsmitglieder für die ordnungsmäßige Erfüllung der Anwaltspflichten als Gesamtschuldner haften (BGHZ 56, 355, 358 ff; 70, 247, 248 f; 124, 47, 48 f; BGH, Urt.
v. 8. Juli 1999 - IX ZR 338/97, WM 1999, 1846, 1847). Wegen besonderer Umstände des Einzelfalls können die wechselseitigen Vertragserklärungen ausnahmsweise dahin auszulegen sein, daß einem Sozietätsanwalt ein Einzelmandat erteilt wird (BGHZ 56, 355, 361; 124, 47, 49; BGH, Urt. v. 8. Juli 1999, aaO
1847, 1848); ein solcher Ausnahmefall ist von einem anderen Sozietätsmitglied,
das wegen Verletzung der Vertragspflicht des sachbearbeitenden Rechtsanwalts in Anspruch genommen wird, zu beweisen (BGH, Urt. v. 8. Juli 1999, aaO
1848). Bei einer gemischten Sozietät - wie im vorliegenden Fall - ist ein Vertrag,
der zwischen dem Auftraggeber und einem Sozietätsmitglied geschlossen wird,
in der Regel dahin auszulegen, daß nur diejenigen Mitglieder der Sozietät die
Vertragserfüllung übernehmen sollen, die berufsrechtlich und fachlich dazu befugt sind (BGH, Urt. v. 3. Juni 1993 - IX ZR 173/92, WM 1993, 1677, 1681; v.
16. Dezember 1999 - IX ZR 117/99, z.V.b.).
Diese Auslegungsregeln schließen es nicht aus, daß im Einzelfall eine
Vereinbarung geschlossen wird, auf die diese Grundsätze nicht angewendet
werden können. Davon ist das Berufungsgericht im vorliegenden Fall zu Recht
ausgegangen. Es hat rechtsfehlerfrei festgestellt, daß der Auftraggeber das
einheitliche Mandat nur dem Kläger zu 1 - einem Steuerberater - erteilt hat. Für
ein solches Einzelmandat spricht das eigene Vorbringen der Kläger; das insoweit mit demjenigen des Beklagten im wesentlichen übereinstimmt. Die Kläger
haben vorgetragen, der Kläger zu 2 - Rechtsanwalt und Steuerberater - sei
nicht in die Vertragstätigkeiten eingebunden gewesen; dies sei nur bezüglich
des Klägers zu 1 und des Mitarbeiters H. der Fall gewesen; zu keinem Zeitpunkt sei von Anwaltskosten die Rede gewesen; Steuerberatern sei es unbenommen, für ihre Mandanten Rückübertragungsansprüche durchzusetzen
(GA 46, 49). Nach seinem Schreiben vom 3. Januar 1997 hat der Mandant den
Kläger zu 1 nicht "als Anwalt beauftragt", vielmehr ist dieser als langjähriger
Steuerberater des Auftraggebers "in dieser Sache tätig" gewesen. Nach unbeanstandeter tatrichterlicher Feststellung hat der Kläger zu 1 als einziges Sozietätsmitglied die Erledigung des Auftrags betrieben.
Da danach kein Gesamtmandat erteilt worden ist, ist die Klage der Kläger zu 2 und zu 3 unbegründet.
2. Das Berufungsgericht hat zu Recht angenommen, daß der Geschäftsbesorgungsvertrag des Klägers zu 1 (künftig: der Kläger) mit seinem Auftraggeber eine unerlaubte geschäftsmäßige Besorgung einer fremden Rechtsangelegenheit insoweit zum Gegenstand hatte und deswegen einschließlich der behaupteten Honorarabrede nichtig ist, als der Kläger Rückübertragungsansprüche seines Mandanten nach dem Vermögensgesetz geltend zu machen hatte
(§ 134 BGB i.V.m. Art. 1 § 1 RBerG). Der Kläger hat nach eigenem Vorbringen
seinen Auftraggeber insoweit rechtlich beraten sowie gegenüber Dritten und
Behörden vertreten. Er hat vorgetragen, die außerordentlich problematische
Rückübertragung der Grundstücke sei über mehrere Jahre betrieben worden,
habe sechs Reisen in die neuen Bundesländer und Besprechungen mit Behörden erfordert, in denen die rechtlichen Hindernisse ausgeräumt worden seien;
schließlich seien eine gütliche Einigung bezüglich der beiden Grundstücke und
ein entsprechender Feststellungsbescheid erreicht worden. Danach hat der
Kläger eine fremde Rechtsangelegenheit besorgt mit dem Ziel, bestimmte Ansprüche seines Auftraggebers zu verwirklichen (vgl. BGH, Urt. v. 25. Februar
1999 - IX ZR 384/97, NJW 1999, 1715 m.w.N.; Altenhoff/Busch/Chemnitz,
Rechtsberatungsgesetz 10. Aufl. Art. 1 § 1 Rdnr. 61; Rennen/Caliebe, Rechtsberatungsgesetz 2. Aufl. Art. 1 § 1 Rdnr. 24 ff; Gehre, Steuerberatungsgesetz 3.
Aufl. § 33 Rdnr. 13). Mit dieser allgemeinrechtlichen Tätigkeit ist der Kläger über seinen beruflichen Wirkungskreis als Steuerberater (Art. 1 § 4 Abs. 2,
3 RBerG, §§ 1, 32, 33 StBerG) hinausgegangen. Er hat nicht behauptet, daß
die Wahrnehmung der Restitutionsansprüche des Mandanten auch steuerliche
Fragen aufgeworfen habe. Zumindest standen Steuerfragen nicht im Vordergrund, so daß es zur Hilfeleistung als Steuerberater nicht zwingend erforderlich
war, die Rechtsberatung und -vertretung hinsichtlich der Ansprüche nach dem
Vermögensgesetz mitzubesorgen; vielmehr konnten diese Bereiche getrennt
und die Wahrnehmung der Rückübertragungsansprüche einem Rechtsanwalt
überlassen werden (vgl. BGHZ 37, 258, 260 f; 70, 12, 15; BGH, Urt. v. 27. Mai
1963 - II ZR 168/61, NJW 1963, 2027 f; v. 7. Mai 1992 - IX ZR 151/91, NJW-RR
1992, 1110, 1115). Nach unbeanstandeter, rechtsfehlerfreier Feststellung des
Berufungsgerichts hat der Kläger die fremde Rechtsangelegenheit - über lange
Zeit - geschäftsmäßig besorgt. Die Geschäftsmäßigkeit erfordert eine selbständige Tätigkeit, bei der der Handelnde beabsichtigt, sie - sei es auch nur bei sich
bietender Gelegenheit - in gleicher Art zu wiederholen und dadurch zu einem
dauernden und wiederkehrenden Teil seiner Beschäftigung zu machen; dafür
kann eine einmalige Tätigkeit genügen (BGH, Urt. v. 5. Juni 1985 - IVa ZR
55/83, NJW 1986, 1050, 1051; v. 5. Februar 1987 - I ZR 100/86, NJW-RR 1987,
875, 876; BVerwG NJW 1988, 220; Altenhoff/Busch/Chemnitz, aaO Art. 1 § 1
Rdnr. 102 ff; Rennen/Caliebe, aaO Art. 1 § 1 Rdnr. 39 ff). Eine solche Tätigkeit
des Klägers mit Wiederholungsabsicht ist schon deswegen anzunehmen, weil
er noch im vorliegenden Rechtsstreit die Ansicht vertreten hat, "selbstverständlich" sei es Steuerberatern unbenommen, für ihre Mandanten Rückübertragungsansprüche durchzusetzen.
Danach hat der Kläger gegen das Verbot des Art. 1 § 1 RBerG verstoßen. Der Zweck dieser Vorschrift, die Rechtsuchenden vor den Gefahren einer
ungenügenden und nicht sachgerechten Beratung und Vertretung zu schützen,
kann nur durch die Nichtigkeit des verbotswidrigen Geschäftsbesorgungsvertrages erreicht werden (§ 134 BGB; vgl. BGHZ 37, 258, 261 f; BGH, Urt. v.
21. März 1996 - IX ZR 240/95, NJW 1996, 1954, 1955; Urt. v. 25. Februar 1999,
aaO 1717; v. 30. September 1999 - IX ZR 139/98, WM 1999, 2360, 2361). Die
Unwirksamkeit erstreckt sich auch auf den Teil des Geschäftsbesorgungsvertrages, der die vom Berufungsgericht für erlaubt gehaltene Tätigkeit des Klägers beim Verkauf der Grundstücke betrifft (§ 139 BGB; vgl. BGHZ 50, 90, 92;
70, 12, 17).
3. Die Revision rügt jedoch mit Erfolg, daß das Berufungsgericht nicht
geprüft hat, ob dem Kläger für seine Dienste eine außervertragliche Vergütung
zusteht.
a) Aus Geschäftsführung ohne Auftrag (§ 683 mit § 670 BGB) kann der
Kläger keine Vergütung für die Verfolgung der Restitutionsansprüche seines
Auftraggebers verlangen, weil diese Dienste in einer gesetzwidrigen Tätigkeit
bestanden haben, die der Kläger nicht den Umständen nach für erforderlich
halten durfte (vgl. BGHZ 37, 258, 263 f; 65, 384, 389 f; 111, 308, 311; 118, 142,
150).
Dies gilt entsprechend für die Geschäftsbesorgung des Klägers zur Vorbereitung und beim Abschluß der Verträge zur Veräußerung der Grundstücke.
Das Berufungsgericht hat diese Dienste - ohne Begründung - zu Unrecht für
erlaubt gehalten. Diese Ansicht könnte nur dann richtig sein, wenn insoweit eine
Hilfeleistung in Steuerfragen im Vordergrund gestanden hätte (vgl. Ziffer II 2)
oder es sich um einen Makler- oder Treuhandvertrag ohne nennenswerte
Rechtsbetreuung gehandelt hätte (vgl. BGH, Urt. v. 8. Juli 1999, aaO 1848
m.w.N.). Dies hat der Kläger aber nicht behauptet. Er hat lediglich vorgebracht,
die Grundstücksveräußerungen seien auch steuerlich vorbereitet worden; die
Schenkung eines Grundstücks des Mandanten an seine Kinder sei aus steuerlichen Gründen erfolgt. Danach waren auch die Vorbereitung und der Abschluß
der Grundstückskaufverträge in erster Linie eine Besorgung einer fremden
Rechtsangelegenheit, die einem Rechtsanwalt vorbehalten ist und deswegen
unerlaubt war (Art. 1 § 1 RBerG). Dies ergibt sich vor allem aus der Mitwirkung
des Klägers beim Abschluß dieser Verträge vom 13. Dezember 1994 und aus
seinem Vorbringen, er habe die vorbereiteten Kaufverträge überprüft. Insoweit
gelten die vorstehenden Ausführungen entsprechend (Ziffer II 2).
b) Dem Kläger kann allerdings gegen seinen Auftraggeber ein Vergütungsanspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung (§§ 812 ff BGB) erwachsen
sein, den der Beklagte gemäß § 414 BGB übernommen hat, wie noch ausgeführt wird.
aa) Der Mandant hat die Dienste des Klägers auf dessen Kosten ohne
rechtlichen Grund erlangt, so daß der Kläger, falls nicht § 817 Satz 2 BGB entgegensteht, einen Anspruch auf Wertersatz hat (§§ 812, 818 Abs. 2 BGB), der
sich nach der Höhe der üblichen oder hilfsweise nach der angemessenen, vom
Vertragspartner ersparten Vergütung richtet (vgl. BGHZ 36, 321, 323; 37, 258,
264; 50, 90, 91; 55, 128, 130; 70, 12, 17; BGH, Urt. v. 7. Mai 1992, aaO 1115).
Die Dienstleistung aufgrund eines nichtigen Geschäftsbesorgungsvertrages ist
nicht wertlos, wenn der Leistungsempfänger sonst eine andere - zur Geschäftsbesorgung befugte - Person beauftragt hätte und dieser eine entsprechende
Vergütung hätte zahlen müssen (BGHZ 70, 12, 18). Diese Abwicklung nach
Bereicherungsrecht soll nicht demjenigen, der eine gesetzwidrige Geschäftsbesorgung vornimmt, auf einem Umweg entgegen § 134 BGB doch eine Vergütung verschaffen, sondern nur verhindern, daß der Empfänger der Leistungen
daraus einen ungerechtfertigten Vorteil zieht (BGHZ 70, 12, 18); dies gilt vor
allem dann, wenn die Nichtigkeit des Vertrages auch erlaubte Leistungen erfaßt
(BGHZ 50, 90, 92). Einer Umgehung dieser Vorschrift soll insbesondere § 817
Satz 2 BGB vorbeugen; war sich der Leistende bewußt, daß er gegen das gesetzliche Verbot verstieß, so schließt diese Bestimmung einen Bereicherungsanspruch aus (BGHZ 50, 90, 92; BGH, Urt. v. 7. Mai 1992, aaO 1116; v. 21.
März 1996, aaO 1957).
bb) Danach wird das Berufungsgericht zunächst prüfen müssen, ob sich
der Kläger - zum maßgeblichen Zeitpunkt seiner Dienstleistung (vgl. BGHZ 28,
164, 168) - eines Verstoßes gegen Art. 1 § 1 RBerG bewußt war (vgl. dazu
BGH, Urt. v. 15. Juni 1993 - XI ZR 172/92, NJW 1993, 2108). Sollte dies nicht
zutreffen, so wird weiterhin aufzuklären sein, ob und in welchem Umfang der
Auftraggeber des Klägers an dessen Stelle einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hätte. Soweit dies der Fall gewesen wäre, wird sodann zu ermitteln sein, welche - vom Mandanten ersparte - Vergütung nach der Bundesgebührenordnung für Rechtsanwälte (BRAGO) dafür angefallen wäre (vgl. BGH, Urt. v. 25. Juni 1962 - VII ZR 120/61, NJW 1962, 2010,
2011, insoweit nicht abgedruckt in BGHZ 37, 258). Das scheitert entgegen der
Ansicht der Revisionserwiderung nicht daran, daß der Kläger seine Kosten bisher nicht aufgeschlüsselt hat, weil er von einem wirksamen vertraglichen Vergütungsanspruch ausgegangen ist. Schon aufgrund des Vorbringens des Klägers
in den Vorinstanzen, das im weiteren Berufungsverfahren noch ergänzt werden
kann, läßt sich ein Wertersatzanspruch aus § 818 Abs. 2 BGB i.V.m. § 118
BRAGO ermitteln. Danach kommen zumindest eine Geschäfts- und Besprechungsgebühr (§ 118 Abs. 1 Nr. 1, 2 BRAGO) sowie eine Erstattung von Reisekosten (§ 28 BRAGO) in Betracht.
Die tatrichterliche Aufklärung erübrigt sich nicht wegen der Feststellung
des Berufungsgerichts, der Kläger habe bisher keine Gebührenrechnung nach
§ 18 BRAGO erteilt. Diese Vorschrift betrifft nur die Berechnung und Mitteilung
einer Vergütung aufgrund vertraglicher Berufstätigkeit eines Rechtsanwalts (vgl.
BGH, Urt. v. 2. Juli 1998 - IX ZR 63/97, WM 1998, 2243, 2246), nicht aber die
Ermittlung eines Wertersatzanspruchs aus ungerechtfertigter Bereicherung.
cc) Sollte ein solcher Anspruch des Klägers bestehen, so ergibt eine interessengerechte Auslegung der Urkunden vom 9. und 13. Dezember 1994, daß
der Beklagte auch eine solche gesetzliche Schuld des Auftraggebers übernommen hat (§ 414 BGB). Wortlaut und Zweck des Schuldübernahmevertrages
bieten keinen Anhaltspunkt dafür, daß dieser Vertrag nur einen vertraglichen
Vergütungsanspruch des Klägers umfassen sollte. Entgegen der Revisionsrüge
hat das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei diesen Vertrag weiter dahin ausgelegt,
daß der Beklagte nur eine Vergütungsschuld für Tätigkeiten bis zu seiner Verpflichtung
übernommen
hat.
Dafür
spricht
eindeutig,
daß
sich
das
zugrundeliegende Schreiben des Klägers vom 9. Dezember 1994 auf "Beratungskosten" bezogen hat, "die ... entstanden sind".

Art:

Entscheidung, Urteil

Gericht:

BGH

Erscheinungsdatum:

16.02.2000

Aktenzeichen:

IX ZR 50/98

Erschienen in:

NJW 2000, 1560-1562

Normen in Titel:

BGB § 134; RBerG Art. 1 § 1; BGB § 675